Google Streetview, Wikileaks und Facebook beschäftigen die Gemüter. Dabei ist das Internet schon längst nicht mehr ein nur passiv genutztes Instrument, sondern dient dem Austausch persönlicher Informationen und der Selbstdarstellung in Foren, Blogs und sozialen Netzwerken. Twitter, die Lokalisten und Xing liegen im Trend; zehn Millionen Deutsche sind beim Marktführer Facebook angemeldet. Das Nürnberger Markenforschungsinstitut K&A Brand Research und der Onlinepanelspezialist Respondi wollten es genau wissen und befragten über 1000 Deutsche nach ihrem Nutzungsverhalten sozialer Netzwerke.
Wer nutzt was, wann und wie oft?
Lange Zeit galt das Internet als eine Domäne der Jugend. Die ältere Generation, so glauben viele, habe Schwellenangst und traue sich nicht so recht hinein in die virtuelle Welt. Stimmt das? Tatsächlich gilt: Je jünger die Befragten, desto eher handelte es sich um aktive Nutzer sozialer Netzwerke: Ganze 87% der 15-29-jährigen tummeln sich bei Facebook und Co. Noch deutlicher wird dieser Unterschied, wenn man den Anteil der jeweiligen Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung mit dem Anteil der Facebook-Nutzer vergleicht. Facebook ist international und deutschlandweit das mitgliederstärkste soziale Netzwerk. In Deutschland machen Senioren im Alter ab 60 17% der Wohnbevölkerung aus, aber nur ein Prozent der Facebook-Verwender. Unterschiede gibt es auch in der Verweildauer. So scheinen Internetcommunities einen gewissen Suchtreiz auf ihre Mitglieder auszuüben; surft doch die Hälfte der Mitglieder auch zu ungewöhnlichen Tageszeiten wie z.B. morgens vor Arbeitsbeginn. Nur: Beim schnellen Blick in die Neuigkeiten aus dem Bekanntenkreis bleibt es meist nicht, denn Mitglieder in Social Communities sind länger im Netz unterwegs, 23% von ihnen sogar bemerkenswerte fünf Stunden pro Tag und sogar mehr. Social Media User sind tendenziell jung, gut ausgebildet (immerhin 41% verfügen über (Fach-) Abitur), mobil und eher Single als verheiratet.
Männlich, ledig, auf der Suche.
Der typische User – ein Single-Mann auf der Suche nach Kontakten? Tatsächlich sind ca. 15% der männlichen Mitglieder von Online Communities an Verabredungen, Flirts und auch freizügigen Fotos interessiert. 43% der Frauen dagegen schauen in Netzwerken eher nach Neuigkeiten aus dem Bekanntenkreis und tauschen sich auch häufiger in Chats aus. Die beliebtesten Internet-Anwendungen über alle Gruppen hinweg sind aber Nachschlagewerke wie Wikipedia, Routenplaner und Online Shopping. Mitglieder von sozialen Netzwerken aber nutzen das Internet in fast allen anderen Belangen intensiver. So informieren sich 72% auf Nachrichtenseiten über das Weltgeschehen, bemühen Online-Übersetzungsdienste und suchen in Blogs und Foren den Kontakt zu Gleichgesinnten und tauschen dort Informationen aus. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Internet für die eher jungen Nutzer von Social Media ein alltäglicher Teil des Lebens ist, das sie in fast allen Belangen intensiv nutzen.
Facebook? Nein, danke.
Dennoch gibt es auch gute Gründe gegen die Nutzung von Facebook und Co. Gerade die ältere Generation gibt zu 62% dem echten Austausch im realen Leben den Vorzug vor der virtuellen Welt. Immerhin 43% der Jungen von 15 bis 29 teilen diese Ansicht. Tatsächlich sehen aber zwei Drittel der jungen Non User schlicht und einfach keinen Sinn in sozialen Netzwerken, sie sind eher genervt davon. Die Angst, ausspioniert zu werden spielt bei allen Altersstufen keine große Rolle. Eher lehnen die Befragten ab 30 Social Media ab, weil sie nicht wissen, mit wem sie sich da einlassen. Schwellenangst oder Vorurteil? Denn auch diese hegen die Facebook-Verweigerer durchaus – und sie sind wenig schmeichelhaft. So halten die Non User die User für eher kontaktscheu und glauben, dass diese im echten Leben kaum Freunde haben. Auffallend ist, dass vor allem die Gruppe der jungen Nicht-User zwischen 15 und 29 mit den Mitgliedern von Internet Communities hart ins Gericht gehen und ihnen oberflächliche Motive wie Drang nach Klatsch und Tratsch, einen Hang zur Selbstdarstellung und Mitreden zu können unterstellen. So wirkt die Nichtmitgliedschaft dieser Altersgruppe als Statement der Abgrenzung.
Die New Best Ager
Noch sind Facebook, Twitter und Co also vor allem Foren der Jugend und der jungen Erwachsenen. Die sogenannten Best Ager aber, die Generation der heute ab 50-jährigen. Sie bewegen sie sich nicht mit der Selbstverständlichkeit durch soziale Netzwerke wie ihre Kinder, die sich selbst Digital Natives nennen. Wie die Befragung aber ergab, ist es nicht die Schwellenangst, die sie im Moment noch davon abhält, sich im Social Media zuhause zu fühlen, sondern es ist der Mangel an “echtem Leben” im Netz und schlicht Desinteresse an den Angeboten. Das ist für Unternehmen umso bedauerlicher, als Kaufentscheidungen bekanntermaßen schon längst nicht mehr nur durch Werbung und Maßnahmen am POS beeinflusst werden, sondern in zunehmendem Maße von Erfahrungsberichten und Erfahrungsaustausch in Internet Communities. “Die Industrie sollte diesen Trend nicht verschlafen”, mahnt auch Ralph Ohnemus, Vorstandsvorsitzender der K&A BrandResearch. “Unsere Studie hat klar gezeigt, dass sich die Grenzen zwischen den Generationen immer mehr verwischen. Außerdem greift hier der Population-Momentum-Effekt: Auch die User von Social Media werden älter. Ich prognostiziere für die nächsten Jahre eine starke Zunahme bei der Altersgruppe 30+. Das Internet und Social Media sind Wachstumsmärkte – für alle Beteiligten”
Quelle: pressetext.de












































